Bild1: Nicht nur Exkursionen standen auf dem Programm der Fortbildung bayerischer Ethiklehrer in Kampanien, sondern auch die Entwicklung von Konzepten für den Ethikunterricht an den SchulenBild1: Nicht nur Exkursionen standen auf dem Programm der Fortbildung bayerischer Ethiklehrer in Kampanien, sondern auch die Entwicklung von Konzepten für den Ethikunterricht an den Schulen„Warum hat ein griechischer Tempel kleine Zapfen unter dem Dachsims und was hat das mit Platons Höhlengleichnis zu tun? Ist das Sein allumfassender als das Nichtsein oder ist es umgekehrt? Und was ist überhaupt Wahrheit?“ Mit solchen Fragen beschäftigte sich eine Gruppe bayerischer Ethiklehrer bei einer Fortbildung in Kampanien.

Unter ihnen befand sich auch Oberstudienrätin Geisperger von der Kaufmännischen Berufsschule Deggendorf. „Auch wenn ich die Fragmente des Parmenides nicht in meinem Unterricht behandeln werde, steht es trotzdem einer Ethiklehrerin gut an, sich mit schwierigeren philosophischen Fragen zu beschäftigen, so ähnlich wie eine Psychotherapeutin sich selber einer Therapie unterziehen muss, bevor sie praktizieren darf.“, meint Geisperger. Und so setzte sie sich in den Zug und fuhr in den Cilento südlich von Neapel, um dort die übrigen 15 Teilnehmer und die Kursleiter Friedrich Ühlein, Peter Schmidbauer und Michael Spieker zu treffen. Organisiert von der Akademie für politische Bildung in Tutzing und vom pädagogischen Institut der Stadt München tauchten die bayerischen Pädagogen eine Woche lang ein in die Antike, die in Süditalien noch überall lebendig ist.

Nicht umsonst sprechen die Menschen der Campagna immer noch von „Magna Graecia“, wenn sie diesen Landstrich meinen, genau wie die Römer vor 2000 Jahren. „Und so wäre man dort unten nur wenig überrascht, wenn Zenon von Elea um die Ecke käme“, schmunzelt Geisperger. „Aber das war nicht der Fall, nur die Geister der Philosophen waren unter uns, als wir ihre Schriften analysierten.“

Ein Ausflug führte die Gruppe nach Paestum, wo die obige Frage geklärt wurde. Und die letzten zwei Tage verbrachten die Lehrer in Neapel, so dass sie sich auch über das Leben der modernen Süditaliener informieren konnten. In dieser für ihre Kriminalitätsrate berüchtigten und doch so wunderschönen Stadt hat sich eine bürgerschaftliche Initiative gegründet, die versucht, den Jugendlichen im Slumviertel Sanitá eine Zukunftsperspektive zu bieten. Diese erfolgreiche Arbeit stellte ein Vertreter der Initiative den bayerischen Pädagogen vor.

Erfüllt von den verschiedensten Eindrücken und vertieft in ungeklärte philosophische Fragen ging es wieder nach Hause. Und Oberstudienrätin Geisperger überlegt nun, ob sie nicht doch einmal die Fragmente des Parmenides im Ethikunterricht erwähnen sollte.